Schüler, die von anderen Schulen zur Sudbury Valley School wechselten, gehörten oft einer dieser beiden Gruppen an: „Einser-Schüler“ oder „Unruhestifter“. „Einser-Schüler“ waren an anderen Schulen erfolgreich, aber nicht glücklich … „Unruhestifter“ befanden sich „im Krieg“ mit ihren alten Schulen.
Im Schulalltag zeigten sich nun „seltsame Erfahrungen“ – während die „Unruhestifter“ sich nach einer Eingewöhnungsphase, in der sie oft eher inaktiv waren, zu sich finden und dann sehr erfolgreiche Wege gehen, haben die „Einser-Schüler“ eine eher schwere Zeit.
„Jahrein, jahraus kommen sie: Das Strandgut des Lebens und die Ausgestoßenen der Gesellschaft, junge Menschen, mit denen es fast schon jeder aufgegeben hat. Autodiebe, Unruhestifter, Drogenabhängige, Alkoholiker, Schul-Phobiker, Asoziale jeder Art. Entweder waren sie von allen ihren früheren Schulen geworfen worden, oder sie weigerten sich entschieden, überhaupt eine Schule zu besuchen. Sie bekommen ihre Freiheit zurück und die absolute Verantwortung, den eigenen Lebensweg zu kontrollieren. Es gibt niemanden, der sie unten hält.“
„Die Einser-Schüler haben leider eine schwerere Zeit. Sie sind so daran gewöhnt, ihren Lehrern zu gefallen, dass sie anfangs bei uns völlig ratlos sind. [...] Der Kampf, an die Spitze der Klasse zu gelangen, hat an Sudbury Valley keinerlei Bedeutung, keine Grundlage. Diese Schüler – nicht die „Unruhestifter“ – sind die wirklichen Opfer der Gesellschaft. Nachdem sie es jahrelang den Autoritäten recht gemacht haben, haben sie den Kontakt mit sich selbst verloren. Aus ihren Augen ist der Glanz verschwunden, aus ihrem Herzen das Lachen. Wenn sie nicht zerstören, wissen sie auch nicht, wie man aufbaut. Für sie ist Freiheit beängstigend. Es gibt niemanden, der ihnen sagt, was sie tun sollen.“
Quelle: Endlich frei!
In dem Zitat (also dem Buch) werden Einser-Schüler anscheinend auch nur als die doofen, arschkriechenden Streber angesehen. Es gibt aber auch jene Spezies von Einser-Schülern, die schlicht und einfach gut in der Schule sind und darunter leiden, von Mitschülern als „Streber“ bezeichnet zu werden und sich dafür schämen, wenn mal wieder eine Eins auf einer Arbeit erscheint. Auch das sind Ausgegrenzte in einem völlig idiotischen Schulsystem, auch sie können sich nicht entfalten und machen sich klein. Gibt’s solche Wechsler so selten in Freien Schulen?
Hallo Stefan,
bei Sudbury gibt es keine Noten ….
Ulrike
Ja, ging aber hier um die Wechsler…
Hallo Stefan,
ich steh irgendwie auf der Leitung
Es geht hier ja auch um die Motivation, auf eine Sudbury-Schule zu gehen … und eine Gruppe waren die „Einser-Schüler“, die sich nicht glücklich gefühlt haben in „normalen“ Schulen. Z.B. aus dem von Dir angegebenen Grund …
Nur: beim Sudbury-Konzept haben sie sich schwerer getan als andere Schüler … so die Erfahrung! Weil sie darauf „trainiert“ waren, gesetzte Erwartungen so gut wie möglich zu erfüllen – nicht die eigenen Erwartungen, sondern die von außen!
Jetzt verständlicher?
Herzliche Grüße, Ulrike